Riegelhaus Unterstammheim

In Unterstammheim (442m) kommen wir zu einer Kreuzung mit schönen Riegelbauten und einem mit Blumen geschmückten Brunnen. Auf der Anhöhe erblicken wir die reformierte Pfarrkirche. Nach ein paar steilen Strassenschleifen betreten wir das von Weinbergen umgebene Gotteshaus. Turm und Chor stammen aus der Zeit um 1515. Das Kirchenschiff wurde 1780 neu errichtet. Wir gehen einige Meter abwärts und folgen dann einem Strässchen, welches am Hang unterhalb der Rebberge bis zur Antoniuskapelle (1942 erbaut). Von dort geht es weiter bis Oberstammheim wo wir dem Wegweiser folgend zur Galluskapelle gelangen. Zur hübschen Kapelle an wunderbarer Lage gelangen wir über 50 Stufen. Dort rasten wir und geniessen den Ausblick über den Weinberg.

Ref. KIrche Unterstammheim

Erstmals 897 erwähnt, stammt die heutige Kapelle aus der Zeit um 1300. Die Kirche wurde 1310 mit Bibelbildern vollständig ausgemalt und während der Reformation 1524 übertüncht. 1894 kamen die schönen Fresken durch den unvorsichtigen Hammerschlag eines Steinmetzen wieder ans Tageslicht. Sie wurden restauriert und unter Denkmalschutz gestellt. An der Nordwand sehen wir den Ritter Georg und den Heiligen Eligius. Die Südwand ist mit Bildern aus dem Leben Jesu geschmückt. Die oberen Bildstreifen zeigen die Schöpfungsgeschichte, dann folgt der Sündenfall, der Kindermord von Bethlehem, Johannes tauft Jesus, die Vertreibung der Händler aus dem Tempel, die Versuchung in der Wüste, das Verhör durch Pilatus, die Geisselung und Kreuzigung. Aus dem Umkreis der Manesse-Handschrift sind die Bilder von einem unbekannten Meister der Mystik gemalt worden. Es fällt schwer, sich von den Bildern zu trennen. Wir betrachten auf der Bank vor der Kirche noch eine Weile die Aussicht. 500 Meter weiter östlich stand im Mittelalter noch die Wallfahrtskirche St. Anna, die zur Reformationszeit abgerissen wurde. Heute zeugt nur noch der Flurname von diesem Gotteshaus.

Fresken Galluskapelle

Von der Galluskapelle wandern wir nach Oberstammheim (445m) hinunter und treffen bei der Kreuzung auf ein paar schöne Riegelbauten. Beim Dorfbrunnen laufen wir südwärts. Bald zeigt ein Wegweiser nach links in Richtung Ürschhausen. Beim Seehof kommt der Weg für kurze Zeit auf die Strasse und führt vor einem grossen Parkplatz zum Nussbaumer-See hinunter. Wir finden dort einen kleinen Badeplatz mit Grillstelle. Auf dem Thurgauer Rundwanderweg kommen wir dem bewaldeten Seeufer entlang durch ein Naturschutzgebiet (440m).

Nussbaumer See

Hier erfahren wir, dass die ersten menschlichen Spuren im Seebachtal in die Zeit um 9000-5500 v. Chr. zurückreichen. Das erste Dorf entstand 4000 v. Chr. Nach dem Überqueren der Strasse Nussbaumen-Ürschhausen schwenkt der Weg zum Gehöft Hälfebärg ab. Der Durchgang zur Ruine ist gestattet. Die Burg Helfenberg wurde 1331 urkundlich erwähnt, seit Anfang des 15. Jahrhundert ist sie zerfallen. Auf einem Strässchen laufen wir zwischen Hüttwiler-See und Hasensee in 20 Minuten nach Buch hinauf (462m). Buch bei Frauenfeld beherbergt die frühgotische Sebastianskapelle mit sehr schönen Wandmalereien aus der Zeit um 1320 (im Geist der Manesse-Zeit). Auf den Darstellungen erkennen wir die Leiden Christi und den Heiligen Georg mit dem Drachen.

Tor zur Karthause Ittigen

Gegenüber der Kirche führt eine Strasse in östliche Richtung. Wir biegen rechts auf einen Feldweg ein, queren beim Weiler Vorderhorbe die Strasse Buch-Frauenfeld und gelangen durch einen Wald zur Kartause Ittingen. An Hopfenpflanzungen und dem Parkplatz vorbei betreten wir die ehemalige Klosteranlage von Westen her (416m). Sie birgt eine gut geführte Gaststätte mit Gartencafe und vor allem das Ittinger Museum. 1079 wurde die Burg Ittingen nach ihrer Zerstörung wieder aufgebaut. 1150 entstand hier ein Augustinerkloster. Die Kirche wurde dem heiligen Laurentius geweiht. 1461 übernahm der Kartäuser-Orden das Kloster und baute die Mönchshäuser.

Klosterkirche Karthause Ittigen

1524 wurde die Anlage in der Reformation schwer beschädigt, 1553 wurde die neue Kirche eingeweiht. Um 1700 entstand das prächtige Chorgestühl. Um 1765 wurde die Kirche im Rokokostil umgebaut. 1848 wurden alle Klöster im Thurgau aufgehoben, Ittingen wurde Landwirtschaftsbetrieb. 1977 wurde die Stiftung gegründet und die Anlage renoviert. Zum Betrieb gehören Wald, Weinberg, Rosengarten, Stallungen, Tagungssäle, Restaurant, Wohnheim für psychisch Beeinträchtigte und ein Gästehaus. Das Prunkstück des Museums ist die Klosterkirche. Sie gehört zu den schönsten Schöpfungen des Schweizer und Süddeutschen Rokoko. Da sie nur den Mönchen diente, hat sie keine Kanzel und keine Orgel. Danach gelangt man durch Klostergänge zu den Mönchshäusern, dem Zimmer des Abts und dem Refektorium. Hier speisten die Mönche an Sonn- und Feiertagen. Der Kachelofen mit den Bibelmotiven, dem Parkettmuster und der Holzkassettendecke entstanden im 16.-18. Jahrhundert. Sonst assen, schliefen, werkten und beteten die Mönche ihrer Zelle. Der Besucher fühlt sich in eine ganz andere Zeit versetzt.

Karthause Ittigen

Wir verlassen die Kartause durch den grossen Torbogen auf der Südseite und folgen erst der Strasse nach links, um dann nach 2 Minuten auf einem Fahrweg zur Thur hinunter zu wandern. Wir überqueren den Fluss auf der Rohrerbrücke (389m). Im Mittelalter gab es nur eine Fähre. 1864 baute man hier die letzte grosse Holzbrücke im Thurgau. 1920 wurde sie durch die erste Betonbrücke im Kanton ersetzt. Nach Frauenfeld sind es noch 40 Minuten auf breitem Waldweg entlang der Murg.

 

Blick auf Schlossturm

In Frauenfeld ist das Schloss mit dem Bergfried von 1230-40 sehenswert.
Der Fachwerkoberbau entstand erst im späten Mittelalter. Im Museum sehen wir Waffen und Rüstungen, diverse Räume bürgerlicher Wohnkultur, Kirchenaustattungen und eine Spielzeugausstellung. Unweit am Ende der Fussgängerzone steht die 1904 im neugotischen Stil erbaute kath. Kirche St. Nikolaus. In der Altstadt finden wir Patrizier- und Bürgerhäuser aus dem 17.-18. Jahrhundert.