Grandval, maison du banneret Wisard

Unsere Via Jura Nr. 80 geleitet uns sicher durch Felsbänder hinunter nach Grandval mit einigen bemerkenswerten Häusern wie z. B. dem „Maison du banneret Wisard“ aus dem 16. Jh. (Museum).
Doch unser Weg führt oben am Dorf Richtung Westen nach Belprahon und Moutier (dt. Münster) - der Name sagt es - war das Kloster (lat. monasterium). Die Abtei wurde durch Mönche aus Luxeuil gegründet. Damit begann die Missionierung des Juras an der strategisch wichtigen Strasse von Basel nach Lausanne. Erster Abt war der heiligen German aus Trier und der erste Prior hiess Randoald. Beide wurden ermordet und gelten als jurassische Märtyrer und Heilige (vgl. Kirche St. Marcel in Delémont).

Moutier

Erst als der Basler Bischof im Jahr 999 die Klosterherrschaft Moutier vom burgundischen König Rudolf geschenkt erhielt, wurde er zum weltlichen Fürstbischof.
In der Reformation wurde die Abtei aufgehoben und die Gebäude abgebrochen. Erst kürzlich durchgeführte archäologische Grabungen zeigen, dass sich der Klosterbezirk wohl unter der heutigen Altstadt befand.
Von hier stammt eine der schönsten Bibeln. 835 haben sie Mönche in St. Martin de Tours gemalt. Während der Reformation wurde sie in einem Dachboden von Moutier versteckt und vergessen und erst 1821 von Kinder gefunden. Der Bürgermeister von Delémont verkaufte sie dem British Museum in London für 750 livres!

Moutier, Chapelle Chalière

Die Kollegiatskirche St. Germain wurde 1860 anstelle der früheren Abtei gebaut, zum Teil mit Baumaterial aus der mittelalterlichen Klosterruine. Die Fenster sind von Coghuf (1961) und seinem Schüler Yves Voirol (2002). 
Zeitgenössisch ist die katholische Kirche Notre Dame de la Prévoté, erbaut 1963-65 nach Plänen des bedeutenden Basler Architekten Hermann Baur, mit Fenster des französischen Künstlers Alfred Manessier. Eine Referenz an die Anfänge von Moutier sind die in der Kirche verehrten Reliquien der jurassischen Heiligen German und Randoald.

Juraweide

Moutier ist heute eine Industriestadt: Glas, Uhren, Drehbänke und Präzisionswerkzeug (Tornos AG). Ein kleines Museum erzählt die Geschichte der Drehbänke.
Auf keinen Fall verpassen darf man die Kapelle Chalière auf dem Friedhof am Westrand von Moutier. Sie stammt aus dem 11. Jh. und war wohl der Ort der Schola des Klosterkapitels. Die Fresken (Jesus in der Gloriole, Apostel) stammen aus der Zeit um 1000 und gehören damit zu den Ältesten der Schweiz. Kurz nach dem Friedhof verlassen wir die ViaJura und folgen geradeaus dem Weg nach Perrefitte, der gelb ausgeschildert ist. Übernachtungsmöglichkeit im Dorf.

Alternative:

Am Moron, Blick zum Chasseral

Wer die atemberaubende Rundsicht vom Moron (Aussichtsturm nach Plänen des berühmten Tessiner Architekten Mario Botta) geniessen will und eine Höhendifferenz von 700 m nicht scheut, bleibt nach Verlassen von Moutier weiterhin auf der ViaJura. Nach den Gorges de Court geht es ab Court in Richtung Champoz und weiter hinauf zum Moron. Von dort den gelben Wegweisern in Richtung Bellelay folgen.