Gast und Gastgeber/in sein

Gastfreundschaft

 

Haben Sie schon einmal tiefer gehend darüber nachgedacht, was „Gastfreundschaft“ für Sie bedeutet?

Wann, wo und wie haben Sie in Ihrem Leben eine wirklich tolle „Gastfreundschaft“ erlebt? Was kennzeichnete diese?

Sicherlich haben Sie auch schon einmal selbst einem anderen Menschen „Gastfreundschaft“ angeboten, geschenkt. Was war Ihnen dabei besonders wichtig?

 

Gastfreundschaft ist ein wichtiger Bestandteil des menschlichen Zusammenlebens.

Sie beinhaltet die Bereitschaft, Fähigkeiten und Umstände, Gäste bereitwillig bei sich aufzunehmen und sie zuvorkommend zu behandeln.

Jeder von uns schlüpft in seinem Leben immer wieder bewusst oder unbewusst sowohl in die Rolle des Gastes als auch in die des Gastgebenden. Gastfreundschaft beinhaltet all das, was das Sich-Begegnen, das Zusammentreffen, Sich-kennenlernen und -Verstehen, das Zusammensein und Sich-Trennen der beiden  Seiten, Gast und Gastgebender, betrifft.

Von daher ist es wichtig zu wissen, was einen guten Gastgebenden ausmacht, aber auch, wie sich ein gern gesehener Gast verhält. Das Wissen um adäquate Verhaltensweisen in beiden Rollen sind gute Ausgangspunkte für die Entwicklung schöner gastfreundschaftlicher Beziehungen.

 

 

 

Die Rollen und Positionen eines Gastgebenden (siehe auch Gastgebende sein)

 

Gastfreundschaft bedeutet in erster Linie, einen freien Raum zu schaffen, in den eine Person eintreten kann und ein Freund werden kann. Es geht dabei nicht darum, Menschen zu ändern, sondern ihnen Raum zu bieten, wo Veränderungen stattfinden können. (Nouwen, Henri, 1975, Reaching Out, New York, Doubleday)

Ein Gastgebender ist eine Person, die Gäste empfängt oder unterhält (Oxford English Dictionary). In gewisser Weise ist diese Situation uns allen wohl bekannt:  Wir laden eine Freundin auf eine Tasse Kaffee zu uns ein, „schmeissen“ eine grosse Geburtstagsparty, laden Geschäftspartner zu einem Meeting ein, bieten Verwandten oder Bekannten über das Wochenende Quartier oder aber nehmen Reisende auf, die einem völlig fremd sind, und bieten ihnen einen Schlafplatz, eine Couch für die Nacht an.

Aber was bedeutet es nun genau, ein guter Gastgebender zu sein? Welche Rollen nehmen wir dabei bewusst und unbewusst ein? Wie nehme ich die verschiedenen Rollen zu verschiedenen Zeiten ein und wie schaffe ich es, diese Rollen zu wechseln?

Mark McKergow & Helen Bailey beschreiben in ihrem Buch „Host“ sechs Rollen und vier Positionen, die ein Gastgebender einnehmen kann.

 

Die 6 Rollen eines Gastgebenden

 

Im Voraus...

 

Der Initiator/Impulsgeber

Der Initiator/Impulsgeber weiss genau, was gebraucht wird, welche Idee im Moment Sinn macht oder weiterhilft. Er hat zum Beispiel die Idee zu einer Feier oder einem Zimmerangebot. Er bringt Dinge ins Rollen und reagiert auf das, was passiert. Dazu gehört für ihn auch, sich im Voraus zu informieren, was sich Gäste wünschen.

         

Der Einladende/Gastfreundliche

Der Einladende entscheidet über die Art der Veranstaltung, wo und wann diese stattfindet.

Durch eine Einladung wird den Gästen ermöglicht, sich einen ersten Eindruck von dem zu verschaffen, was sie erwarten können, vielleicht aber auch davon, was im Gegenzug von ihnen erwartet wird. Von Vorteil ist es, wenn der Einladende sich einer einladenden Sprache bedienen kann. Eine Einladung zeigt dem Eingeladenen, dass man ihn wertschätzt und gerne bei sich hätte. Stets gilt es, eine Einladung freundlich und attraktiv zu gestalten und gegebenenfalls auch auf mögliche Vorteile und Chancen bei der Annahme der Einladung einzugehen. Letztlich eröffnet eine Einladung immer eine Wahlsituation: Der Eingeladene kann entscheiden, ob er die Einladung annimmt oder nicht.

 

Der Raumgestalter

In dieser Rolle gestaltet der Gastgebende die angedachten Räumlichkeiten in einladender Form. Er verschiebt eventuell die Möbel und dekoriert die Räume passend. Zudem bereitet er das Essen und Trinken vor. Ziel ist es, den eingeladenen Gästen einen möglichst angenehmen und schönen Aufenthalt zu ermöglichen.

 

Währenddessen...

 

Der Pförtner

Der Pförtner empfängt die Gäste am Eingang. Er entscheidet, wer hereinkommt und wer draussen bleibt.

 

Das Bindeglied/der Vermittler

Wurden die Gäste willkommen geheissen, kommt der Gastgebende in seiner Rolle als Bindeglied ins Spiel. Als Vermittler macht er die Gäste miteinander bekannt, stellt sie einander vor, fördert Beziehungen untereinander und bemüht sich darum, dass alle integriert werden, sich einbezogen fühlen, gegebenenfalls sogar mit besonderen Tätigkeiten mit beschäftigt werden.

 

Der Teilnehmer

Als Teilnehmer mischt sich der Gastgebende unter die Gäste. Er führt Gespräche mit allen Gästen, knüpft und intensiviert Kontakte.

 

Die Aufgabe eines Gastgebenden ist es, immer wieder entweder einen Schritt zurückzutreten, um zu beobachten, was passiert, um dann in bestimmten Situationen gegebenenfalls vorbereitet handeln zu können, oder aber einen Schritt voraus zu gehen, das heisst, zu handeln, wenn es die Situation erfordert.

 

Danach...

 

Auch gegen Ende beziehungsweise nach einer Veranstaltung, zum Beispiel einem Fest, nimmt ein Gastgebender verschiedene Rollen ein. Zum einen heisst es, sich von seinen Gästen zu verabschieden, was wiederum die Rolle des Pförtners in den Vordergrund spielt. Sind die Gäste gegangen, gilt es in der Rolle des Raumgestalters, die genutzten Räume wieder herzurichten. Anschliessend kommt eventuell rasch der Impulsgeber wieder ins Spiel. Er macht sich Gedanken über den nächsten Event und reflektiert, was dann vielleicht besser gemacht werden kann.

 

Im Gegensatz zur korrekten Befolgung von Regeln, ist es bei der Einnahme von Rollen nicht so entscheidend, dass sie ununterbrochen exakt eingehalten werden. Gastgebende können ihre Rollen je nachdem, in welcher Situation sie sich gerade befinden, annehmen, dann wenn sie gerade gebraucht werden.

 

 

Die 4 Positionen eines Gastgebenden

 

Da Menschen sich nicht aufteilen können, besteht eine grosse Herausforderung für den Gastgebenden darin, stets zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Vier Positionen lassen sich dabei im Wesentlichen unterscheiden:

 

Im Rampenlicht

Der Gastgebende, der im Vordergrund, im Zentrum der Aufmerksamkeit, steht, sorgt dafür, dass Dinge passieren. Dazu gehört unter anderem, dass er zum Beispiel authentisch und selbstbewusst auftritt, um die Anwesenden zu gewinnen oder zu überzeugen, um ihr Vertrauen zu erlangen.

 

Bei den Gästen

Der Gastgebende begibt sich zwischen seine Gäste, ist einer von allen Anwesenden, Teil der Gruppe. Er weiss um die Bedeutung, Zeit mit seinen Gästen zu verbringen und dabei mit ihnen ins Gespräch zu kommen beziehungsweise mit ihnen im Gespräch zu sein.

 

Auf der Galerie

Der Gastgebende begibt sich beziehungsweise stellt sich eher in den Hintergrund, verschafft sich einen Überblick über das Geschehen, beobachtet, was passiert.

 

 

In der Küche

Der Gastgebende kann sich auch in privateren und intimeren Räumen, wie etwa der Küche, aufhalten. Hier reflektiert er das Geschehene und bereitet weitere Schritte vor. Trotzdem haben die Gäste die Möglichkeit, einzutreten.

 

Ein guter Gastgebender kennt die Bedeutung dieser Positionen und ist in der Lage von einer Position zur anderen zu wechseln.

 

 

Verfasser: Jessica Möcks

 

(Quelle: McKergow, Mark, Bailey, Helen, 2014, Host – Six new roles of engagement, London, SolutionsBooks, ISBN 978-0-9549749-8-5)

 

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